1949-1990 Bonner Republik


Oskar Lafontaine ist an Krebs erkrankt

Berlin Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine ist an Krebs erkrankt. Das gab er selbst vor wenigen Tagen bekannt. Schon kurz nach der letzten Bundetagswahl verzichtete er auf den Posten des Fraktionsvorsitzenden seiner Partei Die Linken im Bundestag.

Der 1943 im Saarland geborene Lafontaine gilt als Enfant terrible der deutschen Politik. Er machte zunächst eine steile Karriere innerhalb der Sozialdemokratischen Partei. 1974bis 1985 war er Bürgermeister von Saarbrücken. Danach war er bis 1998 Ministerpräsident des Saarlandes.

Im ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlkampf 1990 war er der sozialdemokratische Kanzlerkandidat, verlor aber die Wahl gegen Helmut Kohl. Während des Wahlkampfes attackierte ihn eine Frau mit einem Messer. Er wurde lebensgefährlich verletzt, überlebte aber das Attentat. 1995 wurde er Vorsitzender der SPD und nach der gewonnenen Bundestagswahl 1998 Finanzminister in der sozialdemokratischen Bundesregierung von Kanzler Gerhard Schröder. Damit war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen.

Aber Lafontaine wäre nicht Lafontaine, wenn er nicht ein streitbarer Mann wäre. So wandte er sich bereits 1979 gegen den NATO-Beschluss zur Aufrüstung in Westeuropa. 1990 vertrat er einen Kurs der langsamen Vereinigung der beiden deutschen Staaten, der dazu führen sollte, dass das Gute aus beiden deutschen Staaten in ein vereinigtes Deutschland einfließen sollte. Und im Amt des Bundesfinanzministers wandte er sich gegen die Politik seines eigenen Kanzlers und trat bereits ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt von diesem Amt zurück. Gleichzeitig trat er auch als Vorsitzender der SPD zurück.

2005 trat er dann aus der SPD aus und gründete eine neue politische Gruppierung, die sich 2007 mit der ostdeutschen PDS zusammenschloss. Seitdem ist er einer der Vorsitzenden der Partei Die Linke.

Nun hat er bekannt gemacht, dass er an Krebs erkrankt ist. Wie seine politische Karriere jetzt weiter gehen soll, will er im Januar entscheiden.

Doppeltes Sandmännchen im Kalten Krieg

Berlin Das Sandmännchen ist eine Figur, die den Kindern am Abend Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Die Figur des Sandmännchens ist seit Jahrhunderten bekannt. Literaten wie E.T.A. Hoffmann oder Hans Christian Andersen haben das Motiv eines solchen Sandmannes verwendet.

Aber 1959 kam der Sandmann auch ins Fernsehen und startete seine TV-Karriere. Damals hatte Ilse Obrig, eine Berliner Radiomacherin, die Idee, dass man einen Sandmann für das Fernsehen produzieren könnte und der Sender Freies Berlin (SFB), der in Westberlin arbeitete, nahm diese Idee auf. Davon erfuhren die Fernsehmacher aus Ostberlin und kamen dem Sender zuvor. Am 22. November 1959 kam beim Deutschen Fernsehfunk (DFF), dem noch sehr jungen Fernsehsender der DDR, ein Sandmännchen auf Sendung, das viele Generationen von DDR-Bürgern begleitete. Wenige Tage später begann auch der SFB mit der Ausstrahlung seines Sandmännchens. Ilse Obrig ist übrigens die Mutter beider Sandmänner, denn sie hatte im Osten gearbeitet, bevor sie 1958 in den Westen ging. In Ostberlin hatte sie einen Sandmann für das Radio produziert.

Seit der Wende 1989 ist das Sandmännchen eine der wenigen Sendungen des ostdeutschen DFF, die bis heute weiterhin ausgestarhlt werden.

Der Fernsehfilm der Woche

Mainz Der Fernsehfilm der Woche stand in dieser Woche natürlich ganz im Zeichen des 20. Jahrestages des Mauerfalls. So zeigte das ZDF am Montag den Film Das Wunder von Berlin.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Marko, brilliant gespielt von Kostja Ullmann. Der ist ein junger Rebell, mach mit einer Band zusammen Musik, die bei den DDR-Oberen nicht gut ankommt. Er und seine Freunde werden von der Polizei festgenommen.

Das Pikante dabei: Sein Vater ist einer der Offiziere. Sein Grossvater aber war noch Soldat der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

In diesem Spannungsfeld wird die Geschichte des 18-Jährigen erzählt. Die Handlung spielt sich in den letzten 18 Monaten vor dem Mauerfall ab und zeigt deutlich die Entwicklung in der DDR, aber auch die Konflikte, die mit dieser Entwicklung verbunden waren.

Ein Film, den man sehen muss, um zu verstehen, was wirklich geschah in den letzten Monaten der DDR.

Noch bis zum 16. November ist der Film online in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Festen zum Fall der Berliner Mauer in vielen Städten der Welt

Berlin In vielen Städten der Welt feierten die Menschen den Fall der Berliner Mauer.

In Los Angeles und Warschau wurden symbolische Mauern eingerissen.Dazu fanden Konzerte statt. So sang in Los Angeles der deutsche Musical-Star Ute Lemper.

In Den Haag fand eine Trabantparade vor der deutschen Botschaft statt. Der Trabant war ein typisches Auto aus der DDR. Für viele war es das einizige Auto, was man haben konnte. Extra für diese Trabantparade waren Trabanten aus allen Teilen der Niederlande und aus dem Ausland nach Den Hag gekommen.

In London wurde eine Mauer aus Eis mitten in der Stadt aufgebaut, die natürlich nach und nach auftauen wird. Aber das Bauwerk aus Eis macht den Londonern deutlich, wie es ist, wenn eine unüberwindliche Mauer die Stadt zerschneidet.

Nicht zuletzt wurde der Mauerfall natürlich in Berlin gefeiert. Bei ständigem Nieselregen fand am Abend im Zentrum der deutschen Hauptstadt ein riesiges Volksfest statt.  Der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk führte dort durch die Show zum Fest der Freiheit am Brandenburger Tor. Unter den Gästen der Veranstaltung waren viele Staatsoberhäupter. Zum Auftakt der Show begeisterte der Tenor Placido Domingo mit einem Medley Berliner Melodien unter dem Motto: Das ist die Berliner Luft! Der Song der Scorpions Wind Of Change stand Pate beim Einzug der Ehrengäste des Festes durch das Brandenburger Tor.

Das Goethe-Institut hatte eine Idee

Berlin Das weltweite Institut für deutsche Sprache und Kultur wollte den 20. Jahrestag des Mauerfalls auf eine ganz beondere Weise feiern. Dazu schuf das Goethe-Insititut über 1000 Dominosteine.

Diese Dominosteine schickte  das Goethe-Institut überall dahin, wo Grenzmauern und -zäune Menschen voneinander trennen. So kamen solche Steine nach Zypern und Korea, Staaten, die geteilt sind. Vier Steine  kamen in den Jemen, der geteilt war.  Steine gingen nach Israel und Palästina und nach Nordmexiko an die Grenze zu den USA, wo Menschen durch Grenzzäune- und mauern getrennt sind.

Dort wurden sie von Künstlern, jungen Leuten und Deutschstudenten gestaltet und wieder nach Berlin zurück gebracht. In Berlin stehen sie nun entlang der ehemaligen Berliner Mauer im Zentrum der Stadt.

Beim Fest der Freiheit am Montag sollen diese Dominosteine symbolisch für alle Mauern auf der Welt fallen. Besondere Gäste dabei werden die ehemaligen Präsidenten der USA und der Sowjetunion, George W. Bush Sr. und Michail Gorbatschow, sein.

Ein deutsches Datum

Berlin Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Damit wurde ein neues Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte aufgeschlagen. Der 20. Jahrestag dieses Ereignisses wird derzeit in Deutschland intensiv gefeiert. Dazu sind viele internationale Gäste in Berlin, unter anderem die ehemaligen Präsidenten der USA und der Sowjetunion, George Bush Sr. und Michail Gorbatschow, die damals eine wichtige Rolle spielten.

Aber der 9. November ist nicht nur ein Freudentag für die Deutschen. Im 20. Jahrhundert war dieser Tag desöfteren ein Tag, an dem wichtige Ereignisse geschahen.

Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen. Das war der Höhepunkt der Novemberrevolution in Deutschland. Seitdem ist Deutschland Republik.

Fünf Jahre später versuchte Hitler, sich in München an die Macht zu putschen Diesem Putschversuch waren turbolente politische Ereignisse in Deutschland vorausgegangen.

1938 war Hitler dann an der Macht in Deutschland. Eines seiner Ziele war  die Verfolgung der Juden. Die Kristallnacht am 9. November 1938 wurde der Auftakt des Massenmordes an Juden in Europa.

Nach dem Fall der Mauer 1989 wollte man diesen Tag zum deutschen Nationalfeiertag machen. Man entschied sich dann aber für den 3. Oktober, den Tag, an dem die deutsche Einheit ein Jahr später vollzogen wurde.

“Warum wurde der 9. November nicht deutscher Nationalfeiertag?”, werde ich oft gefragt. Und meine Antwort darauf ist: “Na, weil es nix zu feiern gibt.” Und diese Antwort stimmt ja sicherlich nicht ganz, aber der 9. November ist ein Tag in der deutschen Geschichte, an dem allein im 20. Jahrhundert sehr viele wichtige Ereignisse geschehen sind, von denen die meisten, weiss Gott, keinen Grund zum Feiern bieten:

Ein Nationaler Gedenktag wäre möglicherweise die richtige Art und Weise, diesen Tag zu begehen und in seinen historischen Kontext zu bringen. Es ist jedenfalls ein Tag, der niemals spurlos an uns vorüber zieht.

Der Fall der Berliner Mauer war dem heute-Journal des ZDF übrigens ein Zwischenruf von Günter Schabowski wert, desjenigen Herrn, der bei der denkwürdigen Pressekonferenz am 9. November 1989 in Berlin den Stein ins Rollen gebracht hat.

Dem 68. Jahrestag der Kristallnacht indes, die den Massenmord an den Juden Europas einleitete, würdigte dieselbe Sendung mit keinem Wort. Stattdessen ein Bericht über Entschädigungsforderungen für Überlebende des Holocaust, die ein israelischer Minister an die Adresse Deutschlands stellte.

Aber dennoch bleibt zu hoffen, dass Deutschland ein anderes ist als 1938, mit seinen insgesamt 17 Millionen ausländischen Mitbürgern, denen das ZDF eine ganze Woche voller Sendungen und nun auch eine Online-Dokumentation gewidmet hat.

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